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Schwerhörigkeit: Behandlung, Ursachen, Symptome und Therapie

Das Gehör ist einer der wichtigsten Sinne des Menschen – und zeitgleich auch einer der anfälligsten. So kann eine Schwerhörigkeit nicht nur zu einem verringerten Hörvermögen führen, sondern wichtige Teile des Lebens nachhaltig beeinträchtigen. Wie entsteht eine Schwerhörigkeit, welche Ursachen sind für diese Erkrankung verantwortlich und wie behandelt man ihre Symptome?

Eine Schwerhörigkeit ist keine eigenständige Krankheit, sondern das Symptom einer bereits bestehenden Erkrankung des Hörorgans. Eine schwerhörige Person ist keinesfalls taub, sondern kann bestimmte Töne und Höhen nur noch ab einer gewissen Lautstärke wahrnehmen.

Schwerhörigkeit

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Eine Schwerhörigkeit kann ähnlich wie ein Tinnitus, relativ spontan auftreten und in einigen Fällen einen chronischen Verlauf nehmen. Ältere Menschen leiden häufig unter der sogenannten Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis), aber auch Jugendliche können von einer Hörminderung betroffen sein. In diesem Fall tritt die Erkrankung oftmals als Folge einer zu starken Lärmeinwirkung auf (Konzert oder MP3-Player). Darüber hinaus können verschiedene Krankheiten und äußere Einflüsse eine Schwerhörigkeit verursachen.

Betroffene Personen fühlen sich durch eine Schwerhörigkeit in ihrem Handeln stark eingeschränkt und leiden unter einer deutlich verminderten Lebensqualität. Neben der erschwerten Kommunikation mit anderen Menschen kann sich die Erkrankung auch auf Bereiche außerhalb des sozialen Lebens auswirken. So können beispielsweise Musiker ihre Arbeitsgrundlage verlieren. Zudem können Gefahrenquellen nicht mehr oder möglicherweise zu spät erkannt werden, zum Beispiel auf Baustellen oder im alltäglichen Straßenverkehr. Grundsätzlich lässt sich also sagen, dass eine Schwerhörigkeit die Lebensqualität tatsächlich stark einschränkt – häufig jedoch nur dann, wenn das Symptom zu spät oder gar nicht behandelt wird.

  • Normales Hören: Eine Abweichung von der Hörschwelle von bis 20 dB ist normal
  • Geringe Schwerhörigkeit: Beginnt ab einem Hörverlust von mehr als 20 dB. Leise Räusche wie fließendes Wasser oder Blätterrauschen werden nicht mehr wahrgenommen. Der Betroffene kann Geräusche erst ab einer Schallintensität von 25 bis 40 dB wahrnehmen.
  • Mittlere Schwerhörigkeit: Beginnt ab einem Hörverlust von 40 dB. Der Betroffene kann Geräusche erst ab einer Schallintensität von 40 bis 60 dB wahrnehmen.
  • Hochgradige Schwerhörigkeit: Beginnt ab einem Hörverlust von mindestens 60 dB. Ein Gespräch bei normaler Lautstärke kann nicht mehr wahrgenommen werden.
  • Gehörlosigkeit: Beginnt ab einem Hörverlust von mehr als 80 dB. Laute Geräusche z.B. Musik bei einem Konzert werden nicht mehr wahrgenommen. Hört der Betroffene gar nichts mehr, ist er taub bzw. gehörlos.

Laut Weltgesundheitsorganisation (kurz WHO) zählt die Schwerhörigkeit alleine in Europa zu den sechs häufigsten Erkrankungen. In Deutschland ist etwa jeder fünfte Erwachsene von dem Symptom betroffen. Trotz der spürbaren Einschränkung des Hörvermögens und den daraus resultierenden Problemen, lassen sich bei weitem nicht alle von einer Schwerhörigkeit betroffenen Personen ärztlich behandeln. Geht es nach der WHO-Studie nehmen einige schwerhörige Menschen lieber eine verminderte Lebensqualität in Kauf, als sich selber einzugestehen, dass sie schlecht hören können. Heutzutage gibt es nicht nur ausgereifte diagnostische Verfahren um die Erkrankung zu erkennen, sondern auch vielfältige Behandlungsmethoden, um die Schwere der Höreinschränkung auf ein Minimum zu reduzieren.

Ursachen einer Schwerhörigkeit

Eine Schwerhörigkeit kann viele verschiedene Ursachen haben. Dabei kommt es darauf an, ob es sich bei der Einschränkung um eine Schallleitungs-, Schallverarbeitungs- oder Schallempfindungsschwerhörigkeit handelt. Darüber hinaus variieren die Ursachen je nachdem welcher Bereich des Körpers betroffen ist.

Außenohrschäden: Wenn eine Beeinträchtigung oder Beschädigung des Außenohres vorliegt, spricht die Medizin von einer Schallleitungsschwerhörigkeit. Diese Art der Schwerhörigkeit entsteht immer dann, wenn ein Teil der Schallleitungskette nicht mehr oder nur noch eingeschränkt funktioniert. So kann beispielsweise ein Fremdkörper im Ohr oder ein Ohrenschmalzpfropf dazu führen, dass die betroffene Person schlechter hören kann. Ebenso kann ein Fremdkörper dafür sorgen, dass die überaus empfindliche Gehörgangshaut oder das Trommelfell selbst verletzt wird. Desweiteren können, neben einer starken Mittelohrentzündung oder einer angeborenen Fehlbildung, auch Knochenwucherungen (auch Exostosen und Hyperostosen genannt) am oder im Gehörgang zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit führen.

Mittelohrschäden: Aufgrund des komplizierten und filigranen Aufbaus des Mittelohres ist dieser Bereich besonders anfällig für Infektionen und Entzündungen, die ebenfalls eine Schallleitungsschwerhörigkeit verursachen können. Häufig liegt eine Beeinträchtigung der eustachische Röhre (auch bekannt als Ohrtrompete) durch eine akute Mittelohrentzündung vor. Sollte die Infektion nicht behandelt werden, kann eine chronische Entzündung entstehen, die zu einer Schwerhörigkeit führen kann. Ebenso kann eine Beschädigung des Trommelfells durch eine Verletzung oder eine Knochenerkrankung (Otosklerose) eine Schwerhörigkeit begünstigen. Um der Entstehung einer Höreinschränkung durch einen Mittelohrschaden vorzubeugen, empfiehlt es sich schon bei dem geringsten Anzeichen (beispielsweise leichte Schmerzen oder ein dumpfes Gefühl) einen Hals-Nasen-Ohren Arzt aufzusuchen.

Innenohrschäden: Bei einer Schwerhörigkeit durch einen Schaden im Innenohr spricht man von einer Schallempfindungsschwerhörigkeit. Diese tritt häufig als Folge eines akuten Hörsturzes, schweren Entzündungen des Hörorgans (Cochlea) oder einer zu starken Lärmeinwirkung auf. Ebenso sind besonders ältere Menschen von einer Schallempfindungsschwerhörigkeit betroffen. Eine Verletzung der feinen Sinneszellen im Innenohr können das Hörvermögen ebenfalls einschränken. In diesem Fall handelt es sich um eine sensorineurale Schwerhörigkeit, die häufig von störenden Ohrgeräuschen (Tinnitus) begleitet wird. Sollte hingegen eine Innenohrentzündung (Labyrinthitis) vorliegen, können neben der Schwerhörigkeit auch Schwindelgefühle eintreten.

Medikamente und andere Substanzen: Neben Arzneimitteln wie Aspirin und Antibiotika können Genussgifte wie zum Beispiel Nikotin, Alkohol oder andere Drogen das Gehör und besonders das Innenohr angreifen und somit zur Ursache für eine Schwerhörigkeit werden. Die Einnahme von Genussgiften kann zu einem veränderten Stoffwechsel führen und somit die Hörnerven beeinträchtigen. Neben Schmerz- und Rheumamittel wie Acetylsalicylsäure, gelten auch Schleifendiuretika, verschiedene Malariamittel sowie Zytostatika wie Cisplatin oder Carboplatin als mögliche Ursache für eine Innenohrschwerhörigkeit. Besonders bei Medikamenten gilt daher: Sollten neue Arzneimittel vom Arzt verschrieben werden, sollte man sich vor dessen Einnahme über die möglichen Nebenwirkungen informieren.

Herz-, Kreislauf- und Stoffwechselschwächen: Die Ursache für eine Schwerhörigkeit muss nicht zwangsläufig mit dem Ohr zu tun haben. Auch andere Körperteile und -funktionen können, bei einer Beschädigung oder Beeinträchtigung zu Hörproblemen führen. Neben Durchblutungsstörungen (niedriger Blutdruck, Blutarmut oder Bluthochdruck, besonders im Kopfbereich) kann eine Stoffwechselerkrankung zu einer Schallempfindungsschwerhörigkeit führen. Desweiteren kann eine Schwerhörigkeit als Symptom und Begleiterscheinung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Da sich viele Personen, die von diesen Erkrankungen betroffen sind, häufig bereits in ärztlicher Behandlung befinden, wird eine drohende Schwerhörigkeit oftmals frühzeitig erkannt.

Die Diagnose

Die Diagnose Schwerhörigkeit wird in nahezu allen Fällen von dem behandelnden Hals-Nasen-Ohren Arzt gestellt. Um die Einschränkung des Hörvermögens sicher diagnostizieren zu können, wird der Betroffene in einem ersten Gespräch ausführlich über mögliche Vorerkrankungen, die Einnahme verschiedener Medikamente und den gefühlten Symptomen befragt. Danach führt der Arzt einige Untersuchungen und Hörtests durch, um so herauszufinden, welche Ursache zu der Schwerhörigkeit geführt hat. Die Stimmgabelprüfung ist einer der Tests, womit der HNO-Arzt die Art der Hörminderung (Schallleitungs-, Schallverarbeitungs- oder Schallempfindungsschwerhörigkeit) feststellen kann. Eine weitere Diagnose-Möglichkeit bietet die Ohrenspiegelung (auch Otoskopie genannt), wodurch sich Veränderungen oder Verletzungen im Ohr erkennen lassen.

Bei Verdacht auf eine Schwerhörigkeit erstellt der HNO-Arzt ein Audiogramm mittels Hörtest. Um den Ort des Hörschadens festzustellen, werden folgende weitere Untersuchungen vorgenommen.

  • Objektiver Hörtest (BERA), mit dem die Hörnerven untersucht werden
  • Messung der otoakustischen Emissionen (OAE), um eine mögliche Schädigung der Haarzellen im Innenohr festzustellen
  • Gleichgewichtsprüfung
  • Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), um festzustellen ob eine anatomische Veränderung der Hörschnecke (Cochlea) oder der Hörnerven vorliegt
  • Promontorialtest, um die Funktionsfähigkeit der Hörnerven festzustellen

Desweiteren muss der Arzt feststellen, welche Tonhöhen und (Schall-)Frequenzen durch die Schwerhörigkeit beeinträchtigt sind. Das Ergebnisdiagramm (Hörkurve) dieser Untersuchung kann dann unter anderem dazu verwendet werden, um ein passendes Hörgerät zu finden. Am Ende der Anamnese-Untersuchung findet häufig auch noch eine Tympanometrie und die Stapedius-Reflexmessung statt, womit die Funktionsfähigkeit des Trommelfells und des Gehörknöchelchens untersucht wird. Sollte der Verdacht auf eine Stoffwechselerkrankung vorliegen, kann der HNO-Arzt zudem eine Blutuntersuchung anordnen.

Symptome der Schwerhörigkeit

Da eine Schwerhörigkeit unterschiedliche Ursachen haben kann, unterscheiden sich auch die Symptome voneinander. Grundsätzlich äußert sich eine Schwerhörigkeit dadurch, dass die betroffene Person einige Töne oder Geräusche nur noch in verringerter Lautstärke wahrnehmen kann. Einige Patienten nehmen die Umgebungsgeräusche auch verzerrt oder dumpf wahr und können nur laute Töne gut hören. Bei einer starken Einschränkung des Hörvermögens treten häufig auch Depressionen, Angststörungen oder andere psychische Begleiterscheinungen auf. Psychische Erkrankungen gehen meist einher mit der Beeinträchtigung des sozialen Lebens, da sich schwerhörige Menschen oft zurückziehen.

Alter Mann schwerhörig

Je nach Schweregrad kann eine Schwerhörigkeit zu Veränderungen des Innenohres führen. Da sich dort das Gleichgewichtsorgan befindet, kann es unter anderem zu Schwindel, Kopfschmerzen oder einer Beeinträchtigung des Gleichgewichtssinn kommen. Besonders häufig tritt ein Tinnitus zusammen mit einer Schwerhörigkeit auf. Die störenden Ohrgeräusche werden durch die allgemeine Einschränkung des Hörvermögens in einigen Fällen sogar noch verstärkt. Durch die Kombination aus Schwerhörigkeit und Tinnitus erschwert sich die Lebenssituation der betroffenen Personen sehr stark. Allerdings kann ein Hörgerät mit Umgebungsgeräuschfilter nicht nur die Schwerhörigkeit reduzieren, sondern zudem auch dabei helfen die Intensivität des Tinnitus deutlich zu verringern.

Therapiemöglichkeiten und Prävention bei einer Schwerhörigkeit

Damit es erst gar nicht zu einer Schwerhörigkeit kommt, sollte man einige vorbeugende Maßnahmen beachten. Man sollte stets versuchen dauerhaften und übermäßigen Lärm zu vermeiden. Hier kann beispielsweise ein Gehörschutz helfen. Diesen sollte man ab einem Lärmpegel von über 85 Dezibel immer tragen. Auf Konzerten oder in Diskotheken sollte man sich nicht in unmittelbarer Nähe der Lautsprecher aufhalten und immer Ohrstöpsel dabei haben. Da eine Schwerhörigkeit auch bei Jugendlichen auftreten kann, sollte man darauf achten, dass die maximale Musiklautstärke bei InEar-Kopfhörern nicht mehr als 80dB und bei normalen Kopfhörern nicht mehr als 100dB beträgt. Viele Kopfhörer-Hersteller umgehen die von der EU gesetzten Dezibel-Grenzen, indem sie am Kopfhörer einen zusätzlichen Lautstärke-Regler einbauen. Stellt man den iPod und zusätzlich den Kopfhörer auf maximale Lautstärke, kann der Nutzer so die gesetzlichen Dezibel-Grenzen überschreiten. Zudem sollte man bereits bei dem ersten Verdacht auf eine drohende Schwerhörigkeit einen Hals-Nasen-Ohren Arzt aufsucht.

Sollte bereits eine akute Schwerhörigkeit vorliegen, gibt es verschiedene Therapieansätze um die Intensität der Symptome deutlich zu verringern. In den meisten Fällen kann den betroffenen Personen durch ein Hörgerät geholfen werden. Diese Hörhilfe muss von einem HNO-Arzt verschrieben und dann von einem Hörgeräteakustiker auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Patienten angepasst werden. Da sich die Ursachen, die zu einer Schwerhörigkeit führen stark unterscheiden, gibt es vielfältige Therapiemaßnahmen.

  • Ohrenschmalz und Fremdkörper werden durch Spülung entfernt
  • Entzündungen des Gehörganges werden mit Antibiotikum behandelt
  • Tubenkatarrh und Paukenerguss heilen meist von selbst und werden unterstützend mit abschwellenden Nasentropfen behandelt
  • Chronischer Mittelohrkatarrh wird operativ behandelt indem die vergrößerte Rachenmandel entfernt wird
  • Folgen von Verletzungen am Ohr werden durch eine Operation (Tympanoplastik) behoben
  • Otosklerose wird operativ behandelt
  • Chronische Mittelohrentzündung wird medikamentös oder operativ behandelt
  • Eine Schallempfindungsschwerhörigkeit lässt sich meistens weder medikamentös noch operativ behandeln. Der Hörverlust kann jedoch durch ein Hörgerät kompensiert werden. Bei Gehöriglosigkeit oder Taubheit kann ein Cochleaimplantat oder ein Mittelohrimplantat ein Hören wieder ermöglichen
  • Entzündungsbedingte Innenohrschäden werden durch eine antibiotische Behandlung oder Operation behoben

In einigen Fällen ist eine medikamentöse Behandlung ausreichend, bei komplexen Ursachen kann hingegen ein operativer Eingriff sinnvoll sein. Eine psychotherapeutische Behandlung einer Schwerhörigkeit ist besonders dann empfehlenswert, wenn die Hörminderung durch Stress ausgelöst wurde.

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