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Billige Hörgeräte: Mehr Schaden als Nutzen

Hörgeräte gelten als Medizinprodukte und dürfen daher nur über bestimmte Vertriebswege vermarktet werden. Erhältlich sind allerdings auch billige Hörgeräte, die zum Teil als Hörhilfen oder Gehörverstärker angepriesen werden. Wissenschaftler aus den USA haben sich mit diesen billigen Hörgeräten auseinandergesetzt und dabei festgestellt, dass diese in der Praxis mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Richtige Hörgeräte kosten im Schnitt zwischen 500 und 2.500 Euro. Daneben werden jedoch auch „falsche“ Hörgeräte angeboten, die manchmal auch als Hörhilfen oder Gehörverstärker angepriesen werden. Die entsprechend billigen Hörgeräte gibt es bereits für unter 20 Euro. Besonders im Internet blüht der Handel. US-amerikanische Forscher warnen allerdings vor diesen billigen Hörgeräten. Sie seien nicht ausreichend einstellbar und können im Zweifel sogar einen zusätzlichen Schaden anrichten.

Hörgeräte als Medizinprodukt

Hörgeräte gelten in Deutschland als Medizinprodukt. Der Vertrieb von Medizinprodukten ist streng reguliert. Hörgeräte werden daher in erster Linie von Akustikern vertrieben, also von Fachleuten. Diese übernehmen nicht nur die Auswahl und den Verkauf der Hörgeräte, sie sorgen auch für die korrekte Einstellung auf den Träger. Ohne diese Justierung sind Hörgeräte kaum nutzbar. Der Versandhandel von Hörgeräten ist daher nicht vorgesehen. Dennoch gibt es vor allen Dingen im Internet zahlreiche Angebote mit billigen Hörgeräten.

Teilweise werden diese Hörgeräte dann nicht als Hörgerät, sondern als Hörhilfen oder Gehörverstärker bezeichnet. Die Preise beginnen bereits bei unter 20 Euro. Es gibt jedoch auch Modelle, die mehrere hundert Euro kosten. Im Regelfall kommen diese Billig-Hörgeräte nur mit einer kurzen Anleitung ins Haus. Auf die wichtige Einstellung des Akustikers muss man also verzichten. Die Qualität der meisten angebotenen Produkte, insbesondere im unteren Preissegment, ist zudem äußerst zweifelhaft.

Wissenschaftliche Untersuchung von billigen Hörgeräten

Bereits im Jahr 2008 haben US-amerikanische Wissenschaftler billige Hörgeräte unter die Lupe genommen. Geleitet wurden die Untersuchungen von Jerry Punch, Professor am Depatment of Commonicative Sciences and Disorders (Abteilung für Kommunikationswissenschaften und Störungen) an der Michigan State Universität sowie von Susanne Løve Callaway, einer Studentin. Die Ergebnisse wurden im Anschluss an die Studie im renommierten „American Journal of Audiology“ veröffentlicht.

Untersucht wurden ganz einfache Hörgeräte der untersten Preisklasse (unter 100 US-Dollar) und mittelpreisige Modelle im Bereich von 100 bis 500 US-Dollar. Solche Hörgeräte werden nicht über Akustiker, sondern meist im Versandhandel und insbesondere über das Internet vertrieben. Auch in Deutschland sind solche Billig-Hörgeräte, teilweise auch unter den Bezeichnungen Hörhilfen oder Gehörverstärker – um dem Medizinproduktgesetz zu entgehen – im Umlauf.

Die Ergebnisse der Studie zu billigen Hörgeräten

Insgesamt fiel das Urteil der Wissenschaftler zu den billigen Hörgeräten ausgesprochen negativ aus. Drei Kritikpunkte wurden besonders betont:

1. Die meisten billigen Hörgeräte sind nur in der Lage niedrige Frequenzen zu verstärken. Das hilft Schwerhörigen allerdings meist nicht weiter. Denn höhere Frequenzen – die kaum verstärkt wurden – wären wichtiger, um beispielsweise Sprache besser verstehen zu können.

2. Insbesondere die billigen Hörgeräte, die über den Versandhandel oder per Internet vertrieben werden, kommen nur mit einer kurzen Anleitung zum Besitzer. Die komplexe Einstellung des Hörgeräts, eigentlich die Aufgabe eines Akustikers, muss vom Käufer erfolgen. Der hat jedoch nicht das nötige Know-How.

3. Die wichtigste Entdeckung der Wissenschaftler war allerdings die Tatsache, dass insbesondere die billigsten der getesteten Hörgeräte einen Ton produzierten, der dazu in der Lage ist, seinerseits das Gehör zu schädigen. Solche billigen Hörgeräte richten in der Praxis mehr Schaden als Nutzen an.

Das Fazit der Studie: Hörgeräte sollten nur im Dialog mit einem Akustiker eingesetzt werden.

Kassengeräte als billige Alternative

Wenn ein Hörgerät medizinisch sinnvoll und notwendig ist, kann es vom HNO-Facharzt verordnet werden. Die Krankenkassen müssen das Hörgerät dann bezahlen. Die Leistung ist dabei als Sachleistung und nicht etwa als Zuschuss zu verstehen. Dennoch kann man das Hörgerät frei wählen. In der Praxis bedeutet dies eine Zweiteilung der angebotenen Hörgeräte. Es gibt so genannte Kassengeräte, die komplett von den Festbeträgen der Krankenkassen bezahlt werden, und es gibt höherwertige Hörgeräte, bei denen der Käufer die Differenz von Kaufpreis und Krankenkassenpauschale selbst zahlen muss.

Der Festbetrag der Krankenkassen beträgt zurzeit etwa 420 Euro. Es ist gesetzlich geregelt, dass Akustiker verschiedene Hörgeräte anbieten müssen, die einerseits dem aktuellen technischen Stand entsprechen und andererseits komplett von der Krankenkasse bezahlt werden können. Wenn Akustiker keine billigen Hörgeräte als Alternative zu den teuren Modellen anbieten, sollte man sich von einem anderen Anbietern beraten lassen. Die Aussage, dass Kassengeräte nichts taugen, ist grundsätzlich jedenfalls falsch. Sie dient in erster Linie der Umsatzsteigerung des Akustikers.

Es gibt Fälle, zum Beispiel bei extremer Schwerhörigkeit, bei denen Kassenhörgeräte nicht ausreichen. In einem solchen Fall können Krankenkassen auch teurere Hörgeräte bezahlen. Ab März 2012 erhalten für an Taubheit grenzenden Versicherte übrigens einen erhöhten Pauschalbetrag von gut 840 Euro. Kassengeräte bieten zwar nicht allen Komfort, der theoretisch möglich ist, sind aber in jedem Fall besser als billige Hörgeräte aus dem Internet. Zudem sind sie meist auch noch preiswerter. Es fällt nämlich nur die übliche Rezeptgebühr von 10 Euro pro Hörgerät an.

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