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PKV und Hörgeräte: Was zahlt die private Krankenkasse und was nicht

Krankenkassen sind verpflichtet, Hörhilfen zu bezahlen, wenn diese medizinisch sinnvoll sind und von einem HNO-Facharzt verordnet wurden. Während die gesetzlich versicherten Patienten häufig nur eine Grundversorgung erhalten, stehen Personen in der PKV besser da. Die PKV zahlt in der Regel auch Hörgeräte der Mittelklasse ohne Diskussionen. Ein Gericht hat sogar geurteilt, dass die PKV Hörhilfen auch dann voll bezahlen muss, wenn es eine günstigere Möglichkeit zur Versorgung gegeben hätte.

Wenn es um die Kostenerstattung bei Hörgeräten geht, entstehen schnell Diskussionen. Die Krankenkassen sind bestrebt die anfallenden Kosten gering zu halten, die Patienten wünschen sich jedoch eine bestmögliche Versorgung. Mitglieder in der gesetzlichen Krankenversicherung müssen daher häufig hohe Zuzahlungen leisten. Zuzahlungen werden mitunter zwar auch von Patienten in der privaten Krankenversicherung gefordert, meist ist man durch die PKV jedoch besser versorgt. Das Landgerichts Regensburg hat vor einiger Zeit sogar entschieden, dass die PKV teure Hörgeräte auch dann voll erstatten muss, wenn es günstigere Hörhilfen gegeben hätte.

Was zahlen Krankenkassen?

Prinzipiell ist die Versorgung mit einem Hörgerät, wenn dies medizinisch sinnvoll und von einem HNO-Facharzt verordnet wurde, eine Sachleistung, die komplett von den Krankenkassen zu erstatten ist. In der Praxis sieht es allerdings etwas anders aus. Ärzte verschreiben in der Regel nicht ein bestimmtes Hörgerät, so dass der Patient eine riesige Auswahl hat. Derzeit sind es rund 2.000 Hörgeräte, die hierzulande angeboten werden. Die Preisspanne bei den angebotenen Hörgeräten ist sehr groß. Die Krankenkassen wollen natürlich nur die günstigsten hiervon zahlen. Um die Abrechnung zu vereinfachen, wurden daher im Jahr 2005 Festbeträge in der GKV eingeführt. Zu diesen Festbeträgen erhält man einfache zuzahlungsfreie Hörhilfen kostenlos.

PKV und Hörhilfen

© Copyright by bernafon.de | Pressebild

Entscheidet man sich für eine bessere Hörhilfe, so muss man den Aufpreis häufig aus eigener Tasche zahlen. In diesem Vorgehen unterscheiden sich GKV und PKV nicht erheblich. Die Kostenerstattungen der PKV sind allerdings im Regelfall höher. Im Klartext heißt dies, dass Personen in der GKV nur Hörgeräte der Einstiegsklasse zuzahlungsfrei erhalten, Personen in der PKV jedoch meist auch Hörhilfen der Mittelklasse. Im Zweifelsfall sollte man sich von einem Versicherungsmakler beraten lassen oder einen Blick in die Versicherungsbedingungen werfen. Diese können Details zur Erstattung von Hörgeräten enthalten.

Sind immer Zuzahlungen fällig?

Zuzahlungen sind eigentlich nur dann fällig, wenn sich der Patient bewusst für ein Modell entscheidet, dass zwar teurer ist, jedoch keinen medizinischen Mehrwert bietet. Anders betrachtet bedeutet dies, dass Krankenkassen teurere Hörgeräte voll bezahlen müssen, wenn nur so eine medizinisch ausreichende Versorgung erzielt werden kann. Im Zweifelsfall kann die Durchsetzung eines solchen Vorhabens allerdings eine Klage gegen die Krankenversicherung erfordern. Dann liegt es unter Umständen am Patienten selbst zu beweisen, dass die teureren Hörhilfen tatsächlich benötigt werden. Mitglieder in der PKV haben es hier allerdings wieder leichter. So hat das Landgerichts Regensburg (Az.: 2 S 311/08) vor einiger Zeit entschieden, dass die PKV ein Hörgerät auch dann voll bezahlen muss, wenn es eine günstigere Möglichkeit zur Versorgung gegeben hätte.

Im konkreten Fall wollte die PKV nur 50 Prozent der anfallenden Kosten erstatten. Das Gericht widersprach diesem Vorgehen und urteilte, dass eine medizinisch anerkannte Versorgung nicht automatisch “unnötig” sei, bloß weil diese teurer ist als eine andere Versorgung. Das Gericht verwies zudem auf die Tarifbedingungen der PKV, aus denen hervorging, dass medizinisch notwendige Hilfsmittel voll erstattet werden. An der medizinischen Notwendigkeit der Hörgeräte gab es jedoch keinen Zweifel. Der Arzt hatte zuvor – wie meist üblich – nur eine allgemeine Hörgeräteverordnung verfasst. Die teureren Hörgeräte – mit Preisen von rund 3.000 Euro pro Ohr – hatte sich die Patienten selbst ausgesucht und bereits von ihrem Akustiker anpassen lassen.

Wie sollte man vorgehen?

Hörhilfen müssen immer von einem HNO-Facharzt verordnet werden, damit die Krankenkassen die anfallenden Kosten erstatten. Wenn also der Verdacht auf Schwerhörigkeit besteht, sollte man in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Der Arzt wird das Gehör untersuchen und ein Hörgerät verordnen, wenn er dies für medizinisch sinnvoll hält. Dabei verordnen Ärzte in der Regel kein bestimmtes Modell. Die Auswahl des Hörgeräts wird dem Patienten überlassen, der seine Entscheidung im Regelfall zusammen mit einem Akustiker trifft. Wenn ein passendes Hörgerät gefunden werden konnte, erhält man einen Kostenvoranschlag, den man bei der Krankenkasse – egal ob PKV oder GKV – einreicht.

Die Krankenkasse prüft dann den Antrag und übernimmt entweder alle Kosten oder nur einen Teil der Kosten. Ist Letzteres der Fall, so sollte man sich beraten lassen und Widerspruch einlegen. Eine gute Adresse für eine kompetente Beratung ist der Deutsche Schwerhörigenbund, der sowohl regionale Beratungsstellen als auch eine Online-Beratung anbietet. Patienten, die nicht auf den Ausgang der Diskussion mit der Krankenkasse warten möchten, können das Hörgerät natürlich zunächst einmal privat bezahlen und die Kosten im Anschluss von der Krankenkasse zurückfordern. Diesen Schritt sollte man der Krankenkasse aber in jedem Fall mitteilen. Das finanzielle Risiko trägt man dabei allerdings dennoch selbst.

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2 Kommentare
  1. joachim schrieb
    am 6 September 2013 um 17:03

    Ich bin privat versichert im Basistariv, weil ich als Rentner den Beitrag nicht
    mehr leisten kann.
    Jetzt benötige ich ein Höhrgerät und bin auf die relativ geringe Sa von 513,- € pro
    Ohr angewiesen. Eine Zuzahlung kann ich nicht leisten.
    Ein Höhrgerät in dieser einstiegsklasse nutzt nichts.
    Kann die DKV zu einer höheren Leistung verpflichtet werden ?

  2. Anne Delventhal schrieb
    am 20 Mai 2014 um 11:26

    Ich bin im Kontakt mit meinem Akustiker und habe gerade Hörgeräte im Test, von denen 1 Stück 2.580€ kostet. Ich trage seit 40 Jahren Hörgeräte, habe aber jetzt zum ersten Mal Geräte, die ich morgens reinmachen kann und abends herausnehme. Das war noch nie so.
    Zudem bin ich noch ganz viel unterwegs zu Konferenzen, großen Veranstaltungen, Einladungen. Da brauche ich wirklich gute Geräte. Im Test habe ich Alta Pro HdO 13 Power a 2580€.
    Wir sind bei der Allianz versichert und bei der Beihilfe.
    Was bezahlt die PKV und gibt es eine günstige Hörgerätversicherung?
    Mit freundlichem Gruß, Anne Delventhal

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