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Hörgeräte und Krankenkasse: Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse

Krankenkassen sind dazu verpflichtet, die Kosten eines Hörgeräts zu übernehmen, wenn dieses medizinisch sinnvoll ist und von einem HNO-Facharzt verordnet wurde. In der Praxis versuchen dennoch fast alle Krankenkassen die anfallenden Kosten weitestgehend zu minimieren. Statt der vollen Kostenübernahme gibt es daher meist nur Teilbeträge in Form einer Pauschale. Hierfür erhält man jedoch nur sehr eine einfache Hörhilfe, die in erster Linie Grundbedürfnisse abdecken.

Wenn die Anschaffung eines Hörgeräts ansteht, dann sind damit schnell Kosten im vierstelligen Bereich verbunden. Besonders gut ausgestattete Hörgeräte kosten 2.000 Euro oder sogar noch mehr. Die Krankenkassen wollen nicht immer für solche Hörhilfen aufkommen. Die Folge: Die Kosten werden nur zum Teil erstattet, einen großen Anteil muss man jedoch selbst bezahlen. Kostenlose Hörhilfen, die komplett von der Krankenkasse bezahlt werden, gibt es jedoch auch.

Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse bei Hörgeräten?

In Deutschland werden etwa 2.000 Hörgeräte angeboten, die im Durchschnitt zwischen 500 und 2.500 Euro kosten. Besonders gut ausgestattete Modelle können jedoch auch 4.000 Euro kosten. Solche Kosten übernehmen die Krankenkassen natürlich nur ungern. Zwar sind sie verpflichtet, die Kosten einer Hörhilfe zu tragen, dies gilt jedoch nur für eine günstige – medizinisch ausreichende – Versorgung. Kann das teure Hörgerät also medizinisch begründet werden, zum Beispiel wenn die günstige Hörhilfe nicht in der Lage ist, eine medizinisch ausreichende Versorgung zu erreichen, können Krankenkassen unter Umständen auch diese teureren Modelle bezahlen.

Hörhilfen Kosten absetzen

© Copyright by hearing.siemens.com | Pressebild

Wenn eine solche medizinische Begründung jedoch nicht möglich ist, zahlen die Krankenkassen im Regelfall nur so genannte Festbeträge. Diese Festbeträge liegen meist bei gut 784,94 Euro pro Hörgerät. Entscheidet man sich für eine Hörhilfe, dessen Preis diesen Pauschalbetrag übersteigt, so sind die entsprechenden Kosten aus der eigenen Tasche zu bezahlen. Wenn zwei Hörhilfen benötigt werden, liegt der Festbetrag bei knapp 924,94 Euro, weil die Krankenkassen automatisch einen Abschlag in Höhe von 20 Prozent von den Kosten des zweiten Hörgeräts abzieht.

Was bekommt man ohne Zuzahlung?

Es ist gesetzlich geregelt, dass Akustiker sogenannte Kassen-Geräte anbieten müssen, die keine Zuzahlung durch den Patienten erfordern. Es ist also durchaus möglich, eine Hörhilfe zu erhalten, das – abgesehen von der Rezeptgebühr – keine persönlichen Kosten verursacht. Die Ausstattung dieser einfachen Hörgeräte ist jedoch eher mager, so dass es in erster Linie um eine Grundversorgung geht. Ob ein solches Kassen-Gerät zu den eigenen Anforderungen und Vorstellungen passt, lässt sich letztlich nur nach einem Praxistest beim Akustiker entscheiden.

An Taubheit grenzend Schwerhörige sollen ab April 2012 automatisch einen erhöhten Festbetrag von gut 840 Euro für das erste Hörgerät erhalten. Ein Abschlag in Höhe von 20 Prozent ist bei der Verordnung von zwei Hörhilfen für das zweite Hörgerät auch bei dieser Regelung vorgesehen. Die Krankenkassen wollen durch die Anpassung des Pauschalsatzes eine Verbesserung erreichen, denn eine Versorgung von an Taubheit grenzend Schwerhörigen ist mit den bisherigen Festbeträgen quasi ausgeschlossen. Wie sich die neue Regelung in der Praxis bewährt, bleibt allerdings abzuwarten.

Wann zahlen die Krankenkassen für Hörhilfen?

Die Kosten für das Hörgerät werden von den Krankenkassen nur übernommen, wenn die Hörhilfe zuvor von einem Facharzt verordnet wurde. Wenn also der Verdacht auf Schwerhörigkeit besteht, sollte man in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Dieser stellt den Grad der Hörminderung fest. Die Krankenkassen haben bestimmte Kriterien (Hörverlust im Bereich der Hauptsprachfrequenzen zwischen 500 und 3 000 Hertz von mindestens 30 Dezibel auf dem besser hörenden Ohr, bzw. Hörverlust von mindestens 30 Dezibel bei zwei Frequenzen des Hauptsprachbereichs oder bei 2 Kilohertz, wenn eine einseitige Schwerhörigkeit vorliegt), die hierbei erfüllt sein müssen.

Hinzu kommt ein Sprachhörtest, bei dem die Verstehensquote bei weniger als 80 Prozent liegen muss. Die Versorgung mit einem Hörgerät gilt als Sachleistung, zu deren Erbringung die Krankenkassen verpflichtet sind. Die Pauschalbeträge, die im Jahr 2005 eingeführt wurden, sind daher auch nicht als Zuschuss zu verstehen. Wenn aus medizinischen Gründen eine Hörhilfe benötigt wird, das teurer ist, so müssen die Krankenkassen diese Kosten übernehmen, wie bereits mehrere Gerichte entscheiden haben. Gegen einen ablehnenden Bescheid sollte man daher in jedem Fall erst einmal Widerspruch einlegen.

Andere Zuschüsse für Hörgeräte?

Es gibt weitere Organisationen bzw. Kostenträger, die für die Kosten von Hörhilfen aufkommen bzw. einen Zuschuss leisten können. Wenn die Schwerhörigkeit beispielsweise in einem Unfall begründet ist, kommt grundsätzlich auch die gesetzliche Unfallversicherung bzw. die Unfallversicherung des Verursachers in Frage. Wenn der Unfall während der Arbeit passiert ist, kann auch die jeweilige Berufsgenossenschaft Zahlungen leisten. Letzteres ist auch der Fall, wenn es sich um ein beruflich bedingtes Leiden handelt (Berufskrankheit).

Weitere Kostenträger, die ebenfalls Kosten übernehmen können, sind die gesetzliche Rentenversicherung oder die Agentur für Arbeit. Gerade wenn das Hörgerät benötigt wird, um einen Beruf ausüben zu können, ist auf diesem Wege ein Zuschuss möglich. Die so genannten Kassen-Geräte, die es für die Festbeträge der Krankenkassen gibt, sind im Berufsleben häufig wenig geeignet, weil wichtige Ausstattungs-Details oder Funktionen fehlen.

Für hörgeschädigte Menschen hat sich seit dem 1. November 2013 einiges geändert. Wer sich ein neues Hörgerät zugelegt hat, bekam bis zu diesem Datum etwas mehr als 400 Euro von der Krankenkasse als Zuschuss. Seit dem 1. November des vergangenen Jahres erhalten die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen mit 784,94 Euro rund das Doppelte. Allerdings gibt es einigen neuen Anforderungen, die vor der Auszahlung des Zuschusses erfüllt werden müssen. Zudem bemängelt der Deutsche Schwerhörigenbund, dass auch der höhere Zuschuss noch immer zu gering ist.

Änderungen ab 1. November 2013: Höhere Zuschüsse für Hörgeräte

Neue Anforderungen an Hörgeräte

Seit dem 1. November 2013 erhalten Hörgeschädigte 784,94 Euro von der gesetzlichen Krankenversicherung (kurz GKV) bei dem Kauf eines neuen Hörgerätes. Zudem ist die regelmäßige Wartung der Geräte nicht mehr in dem bisherigen Festbetrag enthalten, sondern wird stattdessen zusätzlich von der Krankenkasse übernommen. Desweiteren zahlt die Versicherung auch für die Beratung, die Anpassung und die Reparaturen. Damit dieser Betrag ausgezahlt werden kann, müssen sich die Betroffenen jedoch mit einigen neuen Anforderungen auseinandersetzen.

So gewähren die Krankenkassen nur dann einen Zuschuss, wenn das Hörgerät mit digitaler Technik ausgestattet ist. Das bedeutet im Klartext: die Geräte müssen nun über drei sogenannte Hörprogramme, eine Verstärkungsleistung (bis zu 75 Dezibel), vier verschiedene Kanäle sowie eine Rückkopplungs- und eine Störschallunterdrückung verfügen. Die digitalen Hörgeräte haben den Vorteil, dass sie nicht mehr per Hand von dem Akustiker eingestellt werden müssen, sondern sich automatisch anpassen.

Höhere Zuschüsse reichen trotzdem oftmals nicht aus

Bedenkt man, dass ein neues Hörgerät, je nach Individualisierung und Anpassung, mindestens 1.000 Euro kostet und das zweite Hörgerät nur mit einer Abschlagszahlung von 140 Euro von der Krankenkasse finanziert wird, dann ist auch die aktuelle Unterstützung laut dem Deutschen Schwerhörigenbund noch immer zu gering und nicht hinnehmbar. Laut der Hilfsorganisation muss definitiv jedes einzelne Hörgerät von der Krankenkasse mitfinanziert werden, so dass die Betroffenen angemessen versorgt werden können. Derzeit werden teure Hörgeräte nur dann komplett von der Krankenversicherung übernommen, wenn diese aus medizinischer Sicht absolut notwendig sind.

Verbraucherzentrale: Zuschuss definitiv beanspruchen

Die Verbraucherzentrale NRW hat vor kurzem nochmals darauf hingewiesen, dass sich Hörgeschädigte nicht auf eine Verzichtserklärung bei ihrem Hörgeräteakustiker einlassen sollten. Zudem sollte man sich von seinem Akustiker verschiedene Geräte zeigen lassen, von denen mindestens zwei von der Krankenkasse finanziert werden. Dabei handelt es sich um die sogenannten Kassenmodelle. Ebenso sollte man sich vor dem Kauf eines neuen Hörgerätes mit der Krankenkasse abstimmen, so dass man am Ende nicht auf den Kosten sitzen bleibt.

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9 Kommentare
  1. Jürgen schrieb
    am 30 Januar 2013 um 11:29

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Ich bin freiwillig gesetzlich krankenversichert; meine Frau ist bei mir familienversichert.Zugleich sind wir beihilfebrechtigt (NRW).
    Meine Frau hat zwei Hörgeräte verordnet bekommen. Zur Probe angepasst wurden ihr gestern zwei Hörgeräte mittlerer Preisklasse, das Stück zu ca. 1.550,00 EUR. Die gesetzliche Krankenkasse würde von diesen Kosten insgesamt ca. 800,00 EUR übernehmen, und zwar als „Festbetrag“. Stellt dieser Festbetrag eine Sachleistung dar mit der Folge, dass die Beihilfe zu den Gesamtaufwendungen von über 3.000,00 EUR keinerlei Leistungen erbringt? Oder handelt es sich um einen Zuschuß mit der Folge, dass die Aufwendungen beihilfefähig sind. Im Falle einer Sachleistung: Kann meine Frau auf diese verzichten und die im Ergebnis höhere beihilfe in Anspruch nehmen?
    Vielen Dank für Ihre Bemühungen
    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen

  2. Hildegard schrieb
    am 8 Juli 2013 um 15:04

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    seit einem 1/4 Jahr Teste ich bei einem Düsseldorfer Akustiker Siemens Hörgeräte.
    Mein HNO hat mir die Hörhilfen verordnet und die Techniker Kasse mir einen Festbetrag von EURO 1.192,- zugesichert. Jetzt hat der Akustiker mir einen Kostenvoranschlag zukommen lassen und mir zu den Grätenkosten 2x EURO 194,- Reperaturkostenpauschale berechnet. Ist das zulässig?
    Bitte teilen Sie mir mit, ob das üblicherweise so gehandhabt wird.
    Vielen Dank Hildegard

  3. Didi schrieb
    am 29 Juli 2013 um 17:16

    Ich habe eine VO vom O-Arzt für Hörgeräte, mit dieser habe ich einen H-Akustiker aufgesucht und diverse H-Geräte ausprobiert. Schnell bin ich in den Bereich gekommen in dem ich zuzahlen müsste. Meine KK AOK hätte in diesem Fall nur einen Pauschalbetrag gezahlt. Durch einen glücklichen Umstand habe ich privat fast neu-wertige „Luxushörhilfen“ Oticon Agil Pro (5.600 €)erwerben können. Wie stelle ich es an von der AOK trotzdem diesen Pauschalbetrag zu erhalten? Bin für jeden Tipp dankbar.
    Mit freundlichen Grüssen
    Didi

  4. Karl-Heinz schrieb
    am 25 August 2013 um 19:09

    Hallo
    Ich habe gelesen das die Zuzahlung der Krankenkasse sich ab den 01.11 13 sich um das dopelte erhöhen ist da etwas dran?
    Gruß
    Karl-Heinz

  5. Karl Schmidt schrieb
    am 16 Juni 2014 um 23:09

    Ich habe eine Verordnung über 2 Hörgeräte beim Hörakustiker eingereicht. Mir wurde ein Eigenanteil-Preis von 1894 € oder 2294 € für jeweils 2 Geräte genannt.
    Wenn ich wissen möchte, was die Geräte wirklich kosten, muß ich dann den AOK-Beitrag von 784 € bzw. bei 2 Geräten 924,94 € dazuschlagen?
    Danke für Ihre Antwort
    Mit freundlichen Grüßen
    KARL SCHMIDT

  6. Eva Alber schrieb
    am 7 Juli 2014 um 13:08

    Ich habe seit 3 Jahren ein Hörgerät (einfachste Ausstattung). Nun hat sich mein Hörvermögen -Hochtonverlust- so verschlechtert, dass mir das Hörgerät keinerlei
    Erleichterung verschafft. Laut Akustiker kann man es auch nicht mehr lauter stellen.
    Kann ich, obwohl die Frist von 6 Jahren noch nicht um ist, ein neues Hörgerät beantragen, wenn der HNO-Arzt dies befürwortet?

  7. Kurt Gießmann schrieb
    am 10 August 2014 um 10:45

    Frage: Wer kommt für die Kosten zweier Hörgeräte auf?
    unverschuldeter Verkehrsunfall ….
    Hörschäden: links starker Tinnitus und über lautes unverständliches hören..
    rechts: fast taub….
    Wer muß die kompletten Kosten übernehmen..
    a. die gesetzliche Krankenkasse
    oder
    b. die Haftpflichtversicherung des Unfallverursacher ?

    M.f.g
    K. Gießmann

  8. Josef Libawski schrieb
    am 15 Januar 2015 um 00:10

    Warum Akustik Firmen in den Service Verträgen geben sechs Jahre Garantie auf Geräte, die von Krankenkassen voll bezahlt werden und nur ein Jahr für Zuzahlungspflichtige Geräte? Übrigens – in der der EU Richtlinie 44/1999 gibts keine Möglichkeit die Garantie unter zwei Jahren zu geben.
    Mit freundlichen Grüßen Josef Libawski

  9. Hugo Appelhoff schrieb
    am 15 April 2015 um 16:02

    Sehr geehrte Damen und Herren, Ich bin beihilfeberechtigt. Meine Frau ist als Rentnerin gesetzlich versichert, aber wegen der geringen Rente auch durch mich beihilfeberechtigt (NRW).
    Meine Frau hat ein Hörgeräte verordnet bekommen. Die Kosten für ein geeignetes Gerät werden nicht vollständig von der KV übernommen.
    Ist dann der Restbetrag beihilfefähig (bis zu einer Obergrenze) oder übernimmt die Beihilfe nichts mehr.
    Kann meine Frau in diesem Fall auf die KV-Leistung verzichten um die günstigere Beihilfe in Anspruch zu nehmen?

    Vielen Dank für Ihre Bemühungen
    Mit freundlichen Grüßen
    Hugo

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