Alles Wissenswerte über Hörgeräte im Überblick

Hörgerät von der Steuer absetzen – Die Kosten beim Finanzamt geltend machen

Einen Teil der Kosten, die mit der Anschaffung einer Hörhilfe verbunden sind, kann man unter Umständen beim Finanzamt geltend machen und daher von der Steuer absetzen. Dabei müssen jedoch genaue Regeln beachtet werden. So hat der Bundesfinanzhof bereits im Jahr 2003 entschieden, dass die Kosten eines Hörgeräts nicht als Werbungskosten geltend gemacht werden können. Möglich ist es aber, die Kosten als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abzusetzen.

Hörhilfen können leicht mehrere tausend Euro kosten. Die Krankenkassen zahlen meist nur einen kleinen Teil als so genannten Festbetrag. Entscheidet man sich für ein höherwertiges Hörgerät, so muss man einen Teil der Kosten aus der eigenen Tasche bezahlen. Doch es gibt Möglichkeiten, um sich das Geld im Anschluss vom Finanzamt zurück zu holen. Denn Hörhilfen können als so genannte außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden.

Hörgeräte als Werbungskosten von der Steuer absetzen

Werbungskosten sind Ausgaben, die der Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen dienen. Einfach ausgedrückt: Ausgaben, die getätigt werden, um einen Beruf auszuüben, gelten in der Regel als Werbungskosten. Berufstätige Menschen, die auf eine Hörhilfe angewiesen sind um ihren Beruf auszuüben, könnten die Kosten des Hörgeräts also unter Umständen als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Im Regelfall akzeptieren die Finanzämter ein solches Vorgehen allerdings nicht.

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Bereits im Jahr 2003 hat der Bundesfinanzhof nämlich entschieden (Urteil vom 22.4.2003 VI R 275/00), dass die Kosten eines Hörgeräts nicht als Werbungskosten einzustufen sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Hörhilfe auch beruflich genutzt wird. Selbst eine teilweise Anerkennung als Werbungskosten lehnt der Bundesfinanzhof ab. Hörgeräte dienten in erster Linie zur Behebung körperlicher Mängel, so der Bundesfinanzhof. Die Kosten seien daher der privaten Lebenssphäre zuzurechnen und nach § 12 des Einkommensteuergesetzes nicht abzugsfähig.

Hörhilfen als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen

Während die Kosten des Hörgeräts nicht als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden können, ist eine Geltendmachung als außergewöhnliche Belastung durchaus möglich. Außergewöhnliche Belastungen entstehen, wenn man zwangsläufig größere Aufwendungen tätigen muss als andere vergleichbare Bürger. Als außergewöhnliche Belastung gelten unter Anderem Kosten für Krankheiten, Bestattungen und Scheidungen. Hörhilfen werden von den Finanzämtern in der Regel ohne Probleme als außergewöhnliche Belastung akzeptiert.

Alle selbst bezahlten Kosten, die mit der Hörhilfe in Zusammenhang stehen, können dabei grundsätzlich berücksichtigt werden. Zum einen sind dies die Anschaffungskosten, die über die Zahlung der Krankenkasse hinausgehen. Zum Anderen sind dies jedoch auch Folge- bzw. Nebenkosten. So können Reparaturen, die selbst gezahlt werden müssen, ebenfalls von der Steuer abgesetzt werden. Selbst Batterien oder die Fahrkosten zum HNO-Arzt bzw. zum Akustiker können beim Finanzamt geltend gemacht und somit von der Steuer abgesetzt werden.

Wie kann man Hörgeräte von der Steuer absetzen?

Steuerzahler, die Hörgeräte von der Steuer absetzen wollen, sollten alle Ausgaben genau dokumentieren und belegen können. Als Anlage zur Steuererklärung sollte man daher alle sortierten Belege und bestenfalls eine zusammenfassende Liste einreichen. In dieser Liste sollte man das Entstehen der Einzelpositionen erklären können. Bei Fahrkosten sollte man etwa angeben, weshalb diese entstanden sind (Beispiel: Anpassung einer Hörhilfe). Wenn die gemachten Angaben nachvollziehbar sind, stehen die Chancen gut, dass das Finanzamt alle Kosten als außergewöhnliche Belastung anerkennt.

Auch nach dem so genannten Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) steuerpflichtige Rentner können die durch ein Hörgerät verursachten Kosten als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Die Regelungen entsprechen hier den Regelungen für Arbeitnehmer. Neben den direkten Kosten für die Hörhilfe können auch Praxis- und Rezeptgebühren sowie Fahrtkosten steuerlich geltend gemacht werden. Fährt man mit dem eigenen Auto zum HNO-Facharzt oder zum Akustiker, so betragen die absetzbaren Kosten 30 Cent pro Kilometer.

Hörhilfe als zumutbare Belastung

Der Gesetzgeber hat nach § 33 Einkommensteuergesetz (EStG) vorgesehen, dass außergewöhnliche Belastungen nur dann von der Steuer abgesetzt werden können, wenn sie die zumutbare Belastung übersteigen. Die Höhe der zumutbaren Belastung errechnet sich nach der Anzahl der eigenen Kinder und dem verfügbaren Einkommen. Derzeit beträgt die zumutbare Belastung zwischen 1 und 7 Prozent vom Jahreseinkommen. Einen Online-Rechner gibt es unter Anderem bei der Oberfinanzdirektion Niedersachsen. Ein Praxis-Beispiel: Bei einem Jahreseinkommen von 24.000 Euro kommen kinderlose Steuerzahler derzeit auf eine zumutbare Belastung in Höhe von 6 Prozent des Einkommens, also 1.440 Euro. Steuermindernd gelten in diesem Fall also nur die außergewöhnliche Belastungen, die oberhalb der Grenze der zumutbaren Belastung liegen.

Zahlt man also für zwei Hörhilfen insgesamt 2.500 Euro aus eigener Tasche, so wirken sich hiervon – beim obigen Beispiel – nur 1.060 Euro steuermindernd aus. Vor der Abgabe der Steuererklärung sollte man daher genau ausreichen, ob das Finanzamt das Hörgerät unter Umständen als zumutbare Belastung werten könnte (zum Beispiel bei sehr hohem Einkommen oder sehr geringen Kosten des Hörgeräts). Nicht vergessen sollte man allerdings, dass nicht nur die Kosten des Hörgeräts als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden können, sondern auch weitere Ausgaben (wie Kosten für eine Brille, für Medikamente oder Zahnersatz). Die zumutbare Belastung wird also sehr häufig überschritten.

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5 Kommentare
  1. bernd schrieb
    am 26 November 2012 um 19:05

    sehr geehrte damen und herren,

    wieviel geld würde ich vom finanzamt zurückbekommen, wenn ich ein hörgerät zu 4500 euro bei einem jahreseinkommen von ca. 29000 euro jahreseinkommen als außergewöhnliche belastung in der steuererklärung angebe?

    mfg

  2. Mario schrieb
    am 7 Mai 2013 um 17:25

    Grüß Gott

    Mein Großvater (85 Jahre alt, österreicher) hat sich letztes Jahr einen Hörappart gekauft, er hat eine frau und 4 Kinder. Eines der Kinder (60 Jahre alt, nicht berufstätig) ist behindert und hat auch einen Hörappart. Die monatliche Pension meines Großvaters beträgt ca 1200 Euro.
    Was könnte man in diesem Fall alles geltend machen ?
    Ich hoffe sie können mir weiterhelfen
    MfG

  3. Imara schrieb
    am 4 August 2013 um 17:32

    Weil meine Mutter kein eigenes Einkommen hat, habe ich für sie die Umarbeitung eines Hörgerätes bezahlt, weil sie extrem schwerhörig ist.
    Sie ist nicht steuerpflichtig und kann somit keine Kosten absetzen.
    Für die Reparatur/Umarbeitung habe ich eine Rechnung erhalten, kann ich diese steuerlich geltend machen als außergewöhnliche Belastung ?

  4. Friedrich schrieb
    am 22 September 2013 um 12:19

    die zumutbare belastung als eigenanteils wird in%des Einkommens errechnet.vom brutto oder vom nettoeinkommem??
    freundlichen gruß Friedrich

  5. Michael schrieb
    am 28 Dezember 2013 um 12:15

    Kann ich, wenn ich die Hörgeräte für meine Mutter bezahle (zu kleine Rente), diese auch von der Steuer absetzten ? Danke für die Antwort im vorraus und M.f.G. Michael

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